Demenz: Forschung weist darauf hin, dass häufiger Käseverzehr das Gehirn im Alter schützen kann

Demenz zählt zu den großen Gesundheitsproblemen unserer Zeit. Mit einer alternden Bevölkerung wächst das Interesse an möglichen Vorbeugemaßnahmen. Eine neue Untersuchung aus Japan, veröffentlicht 2025 in der Fachzeitschrift “Nutrients”, wirft ein neues Licht auf Alltagsfaktoren, die das Demenzrisiko beeinflussen könnten. Laut der Studie hatten Menschen ab 65 Jahren, die mindestens einmal pro Woche Käse aßen, seltener eine Demenzdiagnose. Die Langzeituntersuchung wurde vom Nationalen Zentrum für Geriatrie und Gerontologie in Zusammenarbeit mit mehreren japanischen Universitäten durchgeführt und nutzt Daten der JAGES‑Kohorte (JAGES‑Kohorte, eine Langzeitdatenbank zu älteren Menschen).
Warum Ernährung eine Rolle spielen kann
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass mehr als 50 Millionen Menschen weltweit an einer Form geistigen Abbaus leiden. Die WHO rechnet damit, dass sich diese Zahl bis zum Jahr 2050 etwa verdreifachen könnte. Da es bisher keine Heilung für Demenz gibt und Medikamente den Verlauf nur begrenzt verlangsamen, haben die Forschenden untersucht, ob Alltagsfaktoren, besonders die Ernährung, das Risiko verringern könnten.
Untersucht wurden 7.914 Teilnehmende, allesamt Japanerinnen und Japaner ab 65 Jahren, die noch zu Hause lebten. Die Forschenden schauten, wer regelmäßig Käse aß und wer nicht, und teilten die Probanden in zwei Gruppen ein: Gruppe A, die mindestens einmal pro Woche Käse aß, und Gruppe B, die nie Käse konsumierte.
Das Wichtigste: Käse und Demenzfälle
Über einen Zeitraum von drei Jahren verglich die Studie die Demenzraten beider Gruppen. In der Käsegruppe erkrankten 3,4 % (134 Personen) an Demenz, in der Kontrollgruppe ohne Käseverzehr waren es 4,5 % (176 Personen). Das entspricht einer relativen Risikoreduktion von etwa 24 % zugunsten der Käseesser. Nach zusätzlicher Bereinigung um andere Ernährungsgewohnheiten blieb der Effekt mit rund 21 % signifikant.
Gleichzeitig betonen die Forschenden, dass der Verzehr von Käse allein nicht als alleinige Schutzmaßnahme gegen Demenz gesehen werden sollte. Vielmehr könnte es eine Kombination aus verschiedenen Nährstoffen und Mikroorganismen im Käse sein, zum Beispiel Vitamin K2 und bioaktive Peptide, die Gefäßfunktionen verbessern und so das Demenzrisiko günstig beeinflussen.
Was im Käse stecken könnte
Käse enthält unter anderem Vitamin K2, das bei der Calciumregulation und für die Gefäßgesundheit wichtig ist. Mögliche Mechanismen sind verbesserte Gefäßfunktionen, die zu einer stabileren Versorgung des Gehirns mit Blut führen können. Fermentierte Käsesorten bringen zusätzlich Probiotika mit, die das Darmmikrobiom positiv beeinflussen könnten (und dieses steht in Verbindung mit Alzheimer und anderen Demenzformen).
Außerdem aßen Personen in der Käsegruppe häufiger Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch, also Nahrungsmittel, die Omega‑3‑Fettsäuren, Vitamine, Mineralstoffe und weitere Nährstoffe liefern.
Was das für Deutschland und Europa bedeutet
In Japan spielt Käse bislang eher eine Nebenrolle in der Alltagsküche, weshalb Unterschiede im Käsekonsum dort andere Lebensgewohnheiten widerspiegeln könnten als hier. In Deutschland, Österreich und der Schweiz, wo generell mehr Käse gegessen wird, ist nicht klar, ob zusätzlich mehr Käse noch weiteren Schutz bringt. Dennoch empfehlen die Forschenden, Käse als Teil einer ausgewogenen, überwiegend pflanzenbetonten Ernährung zu sehen und auf eine Mischung aus frischem, gereiftem und fermentiertem Käse zu achten.
Wer Blutdruckprobleme oder andere gesundheitliche Einschränkungen hat, sollte beim Käsekonsum vorsichtig sein. Trotz der Ergebnisse gehört Käse immer in den Rahmen eines insgesamt gesunden Lebensstils, mit Bewegung, geistiger Aktivität und sozialer Teilhabe.
Kleine Effekte, große Bedeutung
Angesichts der demografischen Entwicklung können schon kleine positive Effekte auf das Demenzrisiko eine größere Public‑Health‑Relevanz erlangen. Die Studie liefert spannende Hinweise darauf, wie Ernährung und tägliche Gewohnheiten die Gesundheit im Alter beeinflussen können.