100 km breiter „versteckter Riese“ unter dem antarktischen Eisschild entdeckt

Riesiger Granitkörper tief im antarktischen Eis entdeckt
Riesiger Granitkörper tief im antarktischen Eis entdeckt

Unter den scheinbar endlosen Eisflächen Westantarktikas haben Forscher eine bemerkenswerte geologische Struktur aufgespürt: einen massiven Granitkörper, der seit etwa 175 Millionen Jahren verborgen lag. Die Entdeckung könnte unser Bild der Region und ihrer geologischen Geschichte deutlich verändern und erweitert unser Wissen über die Prozesse im antarktischen Eisschild.

Ein Riese unter dem Pine-Island-Gletscher

Unter dem Pine-Island-Gletscher in der Westantarktis fanden die Wissenschaftler einen Granitkörper mit einem Durchmesser von etwa 100 Kilometern und einer Dicke von 7 Kilometern. Das ist ungefähr halb so groß wie Wales und vollständig vom Eis bedeckt. Die Formation wurde in einem Gebiet entdeckt, das zuvor durch verstreute rosa Granitblöcke bekannt war, wie sie auf den vulkanischen Gipfeln der Hudson Mountains zu finden sind.

Wann und wie der Granit entstand

Der Granit unter dem Pine-Island-Gletscher entstand in der Jurazeit, als die Antarktis ein gemäßigtes, eisfreies Klima mit Wäldern aus Koniferen und Farnen hatte. Um dieses archaische Kapitel zu datieren, nutzten die Forscher die U-Pb-Zirkon-Geochronologie, eine Methode, die den radioaktiven Zerfall in mikroskopischen Kristallen misst und so genaue Altersbestimmungen erlaubt (radiometrische Datierung anhand von Zirkon-Kristallen).

Wie die Forscher ihn gefunden haben

Das Team der British Antarctic Survey (BAS) setzte moderne geophysikalische Verfahren ein. Bei luftgestützten Messungen, unter anderem mit dem BAS Twin Otter (ein leichtes Forschungsflugzeug) und weiteren Forschungsflugzeugen, registrierten die Wissenschaftler Anomalien im Schwerefeld über dem Pine-Island-Gletscher. Nach Korrekturen für Höhenunterschiede und Krustendicken berechneten sie die relative Dichte der Gesteine unter dem Eis, was schließlich zur Identifizierung des Granitkörpers führte.

Wer dahinter steckt

Die Studie wurde von einem Team des British Antarctic Survey unter der Leitung des Geophysikers Tom Jordan und der Geologin Joanne Johnson durchgeführt. Beide heben hervor, wie wichtig diese Entdeckung für das Verständnis der antarktischen Geologie und ihrer gegenwärtigen und zukünftigen klimatischen Folgen ist. Jordan sagt: „Es ist bemerkenswert, dass uns die an der Oberfläche sichtbaren rosa Granitblöcke zu einem unter dem Eis verborgenen Riesen geführt haben.“ Johnson ergänzt, die Gesteinsblöcke seien ein „erstaunliches Archiv“ der geologischen Geschichte unseres Planeten.

Was die Forscher daraus schließen, und warum das relevant ist

Die Entdeckung liefert neue Einblicke in die geologischen Abläufe der Region. Eine Hypothese besagt, dass der Pine-Island-Gletscher die Gesteinsblöcke durch den Prozess des “Plucking” gelöst und über die Hudson Mountains verteilt hat (Plucking: Ablösen von Gesteinsblöcken durch Gletscherbewegung). Das zeigt die Dynamik und Geschichte der Eisbewegungen und ist wichtig für die Modellierung der Entwicklung des Eisschildes in dieser empfindlichen Region.

Klima und Ökologie: Was das heißt

Diese Erkenntnisse helfen, einige der schnellsten Eisverluste in der Antarktis in den letzten Jahrzehnten zu erklären. Ein besseres Bild der Untergrundgeologie ermöglicht es Wissenschaftlern, genauere Vorhersagen über das Verhalten des westantarktischen Eisschildes und dessen Einfluss auf den globalen Meeresspiegel zu machen. In einer Zeit, in der der Klimawandel zu stetig steigenden Meeresspiegeln führt, sind solche Studien von großer Bedeutung.

Über die rein wissenschaftlichen Ergebnisse hinaus bietet die Entdeckung des verborgenen Granitkörpers die Chance, noch tiefer in die Vergangenheit unseres Planeten einzutauchen und seine komplexe Entwicklung nachzuvollziehen. Während die Forschung in der Antarktis weitergeht, bleibt die Region ein wichtiges Archiv unserer gemeinsamen geologischen Geschichte und ein Schlüssel, um die künftigen Herausforderungen eines sich verändernden Klimas besser anzugehen.