Geologen könnten eines der größten Schätze der Erde entdeckt haben – doch manche warnen, dass seine Bergung zu riskant ist

Die ersten Schätzungen der Mineralressourcen im Filo del Sol‑Projekt in den Hochanden zeigen, dass die Metallvorkommen deutlich höher sind als erwartet. Der neue Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass die Menge an Kupfer, Gold und Silber in einem der weltweit größten unerschlossenen Tagebauprojekte größer ist als bisher angenommen. Die Entdeckung zieht wirtschaftliche wie ökologische Aufmerksamkeit an.
Lage und Geologie von Filo del Sol
Filo del Sol liegt an der Grenze zwischen Chile und Argentinien im Nordwesten Argentiniens und ist in die Atacama‑Wüstenregion eingebettet. Geologisch gehört das Gebiet zum östlichen Abschnitt des „pazifischen Feuerrings“. Die Gegend zeichnet sich durch oberflächennahe und tiefere Kupfermineralisierung aus und bietet das Potenzial für ein großes Tagebauprojekt in einer Höhenlage von ca. 5.000 m über dem Meeresspiegel.
Die geologische Geschichte der Lagerstätte reicht bis in die Oberkreide zurück, als die anfängliche Mineralisierung entstand. Das Gebiet wird sowohl hinsichtlich Qualität als auch Menge der Metalle als besonders vielversprechend eingeschätzt.
Die Ressourcenschätzung im Detail
Im Jahr 2025 wurde die erste umfassende Mineralressourcenschätzung vorgenommen. Mithilfe von 400 Bohrlöchern stellte Lundin Mining fest, dass die Region möglicherweise fünfmal mehr Metalle enthält als zuvor angenommen. Die geschätzten Vorkommen umfassen bis zu 13.000.000 Tonnen Kupfer, 907.000 Kilogramm Gold und 18.600.000 Kilogramm Silber. Die Erwartungen an weiteres Potenzial sind hoch, weil Experten noch tiefere Bohrungen sowie nördliche und südliche Begrenzungen der Lagerstätte erkunden wollen, wie aus einem Bericht der Nachrichtenagentur Agencia France‑Presse (AFP) hervorgeht.
Umwelt- und politische Hürden
Der Abbau der reichen Mineralvorkommen in den Hochanden ist mit einer Reihe von Herausforderungen verbunden. Höhe, raue Klimabedingungen und logistische Einschränkungen erschweren den Betrieb. Hinzu kommt die Einhaltung des argentinischen Gletscher‑Gesetzes, das die Einrichtung von Tagebauen im Periglazialbereich (Bereich in der Nähe von Gletschern) verbietet, um Gletscher und Frischwasserreserven zu schützen. Die Umweltorganisation Fundación Ambiente y Recursos Naturales (FARN) hat Lundin Mining beschuldigt, das Gesetz zu umgehen.
Gletscherwasser spielt in Argentinien eine große Rolle: etwa 70 % des Trinkwassers stammen aus Gletscherquellen. Ein erhöhter Wasserverbrauch durch den Bergbau könnte weitreichende Folgen für die Region haben, wie das Beispiel der Alumbrera‑Mine zeigt. Diese Großmine verbraucht jährlich 25 Milliarden Liter Wasser, was etwa 34 % des jährlichen Wasserverbrauchs der Region entspricht, in der rund 500.000 Menschen leben.
Pläne für nachhaltige Energieinfrastruktur
Die Entwicklung umweltfreundlicherer Energieinfrastruktur ist ein weiteres wichtiges Thema. Lundin Mining plant den Bau von Hochspannungsleitungen, um erneuerbare Energiequellen in das Gebiet zu integrieren und den Dieselverbrauch zu reduzieren, wie bereits im Jahr 2022 angekündigt wurde. Außerdem hat Central Puerto, der größte private Stromerzeuger Argentiniens, im Dezember 2024 eine Machbarkeitsstudie für den Bau von Stromübertragungsleitungen begonnen. Ziel ist es, erneuerbare Energie zu den Bergbaustandorten im Nordwesten zu bringen.
Wirtschaftliche Chancen und weltweite Bedeutung
Die hohen Vorkommen von Kupfer, Gold und Silber in Filo del Sol bieten große wirtschaftliche Chancen. Diese Metalle sind nicht nur für den Übergang zu grüner Energie wichtig, sondern auch für Branchen wie Luft‑ und Raumfahrt sowie Telekommunikation. Jack Lundin, CEO von Lundin Mining, hebt hervor: „Filo del Sol ist eine der bedeutendsten Greenfield‑Entdeckungen der letzten 30 Jahre und eine erstaunliche Reise für alle, die daran beteiligt waren. Die erste Mineralressource hat das Potenzial für eines der höchstgradigen, unentwickelten Tagebau‑Kupferprojekte der Welt und eine der größten Gold‑ und Silberressourcen weltweit hervorgehoben.“
Filo del Sol steht damit im Zentrum eines spannenden Zusammenspiels von wirtschaftlichem Potenzial und ökologischen Herausforderungen. Die Region könnte nicht nur einen erheblichen Beitrag zum globalen Metallmarkt leisten, sondern auch neue Wege in der nachhaltigen Ressourcenausbeutung aufzeigen. Dafür ist eine sorgfältige Balance zwischen wirtschaftlichen Interessen und dem Schutz wertvoller Umweltressourcen nötig. Ein solches Projekt verlangt die Zusammenarbeit und das Engagement aller beteiligten Parteien, damit die Entwicklung sowohl profitabel als auch nachhaltig gestaltet wird.