Chemie-Student erfindet transparenten Lack, der deinen Fingernagel in einen Touchscreen-Stift verwandelt

Nagellack macht Nägel zu Touchscreen‑Stiften
Nagellack macht Nägel zu Touchscreen‑Stiften

In einer Zeit, in der Technik unseren Alltag bestimmt, können Touchscreens für Menschen mit langen Nägeln oder schwieligen Fingerspitzen zur Zitterpartie werden. Eine Studentin, Manasi Desai vom Centenary College of Louisiana, hat zusammen mit ihrem Betreuer, dem Associate Professor Joshua Lawrence, einen speziellen Nagellack entwickelt, der Fingernägel in Touchscreen‑Eingabestifte verwandeln soll.

Wie die Idee entstand

Die Projektidee kam, als Desai bemerkte, dass Leute mit langen Nägeln oder dicken Schwielen Probleme hatten, ihre Smartphones zu bedienen. Schwielen an den Fingerspitzen (wie sie oft bei Gitarrenspielern oder Zimmerleuten vorkommen) verhindern, dass die Berührung vom Bildschirm registriert wird, weil die Haut die elektrische Leitfähigkeit blockiert. Dieses Phänomen wird auch „Zombie Finger“ genannt (ein Begriff, den Consumer Reports 2015 prägte). Ziel des Projekts war, einen transparenten, ungiftigen Nagellack zu entwickeln, der einen Nagel genauso empfänglich für Touchscreens macht wie eine menschliche Fingerspitze.

Forschung und Methode

In der Forschung testeten Desai und Lawrence 13 kommerziell erhältliche Klarlack‑Nagellacke und mehr als 50 Zusatzstoffe. Sie suchten eine Formulierung, die drei Eigenschaften kombiniert: Klarheit, Ungiftigkeit und die Fähigkeit, auf der Nageloberfläche eine leitfähige Schicht zu bilden. Als beste Zutaten zeigten sich Taurin (eine Aminosäure) und Ethanolamin (ein Aminoalkohol). Diese Kombination löste eine chemische Reaktion durch Protonenaustausch zwischen sauren und basischen Gruppen aus, was eine ähnliche Rolle wie die Ionenmobilität in der Haut übernimmt.

Die Ergebnisse wurden am 23. März beim jährlichen Treffen der American Chemical Society vorgestellt. Die aktuellen Formulierungen sehen vielversprechend aus, haben aber Einschränkungen bei der Haltbarkeit: Nach Stunden oder Tagen verlieren sie ihre Wirksamkeit. Die Forschenden streben an, die Wirkdauer auf mindestens mehrere Tage bis Wochen zu bringen.

Was noch zu tun ist

Trotz der guten Ansätze gibt es noch offene Baustellen. Die Haltbarkeit muss verbessert werden, und auch das Aussehen des Lacks braucht Feinschliff. Der aktuell am wenigsten toxische Lack hinterlässt ein körniges, gesprenkeltes Finish, das laut Lawrence „nicht gerade high fashion“ ist. Zur Absicherung der Erfindung wurde bereits eine vorläufige Patentanmeldung eingereicht.

Als nächste Schritte planen die Forschenden, die Formel weiter zu optimieren, um längere Haltbarkeit, geringere Toxizität und ein ansprechenderes Erscheinungsbild zu erreichen. Sie sind zuversichtlich, dass die Erfindung für Nutzer mit speziellen Anforderungen deutliche Verbesserungen bringen kann. Wie Lawrence sagt, wollen Chemiker Probleme lösen und ihre Welt ein Stück besser machen.

Was das bringen könnte

Ein touch‑kompatibler Nagellack könnte vielen Menschen den Alltag erleichtern, besonders denen, die durch Beruf oder Lebensstil Schwielen an den Fingerspitzen haben. Die Erfindung bietet praktische Vorteile und kosmetischen Nutzen, da sie über vorhandene Maniküren aufgetragen werden kann.

Während das Team weiter an der Formel feilt, bleibt die Hoffnung, dass der Nagellack bald auf den Markt kommt und so vielen Menschen wie möglich zugänglich gemacht werden kann.