Über 30 Meter hoch, fast 60 Meter breit an der Basis und womöglich älter als viele berühmte Monumente – nun vermutet die NOAA, dass dieses Maug-Korallenriff Hinweise auf die Zukunft der Riffe liefern könnte

Forscher der NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) haben in der Maug-Kaldera eine riesige, steinbildende Koralle gefunden. Die Kolonie besteht aus der Art Porites rus und hat beeindruckende Ausmaße, die sowohl Historiker als auch Meeresbiologen interessieren dürften. Hannah Barkley, leitende Wissenschaftlerin des NOAA-Überwachungsprogramms, bezeichnet den Fund als „bemerkenswert“ und hebt hervor, dass die Koralle in einer ungewöhnlich herausfordernden Umgebung eine große Widerstandsfähigkeit zeigt.
Die Zahlen auf einen Blick
Die Kolonie ragt bis zu 30,5 Meter hoch, hat an der Basis eine Breite von etwa 60,96 Meter und bedeckt rund 1.347 Quadratmeter. Damit ist sie die größte dokumentierte Porites-Kolonie. Im Vergleich zu einer 2020 in Amerikanisch-Samoa gefundenen Porites-Kolonie ist sie etwa 3,4-mal größer. Thomas Oliver, Chef-Wissenschaftler des Programms, sagt dazu: „Diese Koralle war so groß, dass wir sie wegen der Tauch-Sicherheitsbeschränkungen tatsächlich nicht leicht messen konnten.“
Wo die Koralle steht: Maug-Kaldera
Die Maug-Kaldera ist eine unbewohnte Vulkangruppe im Commonwealth of the Northern Mariana Islands, nordwestlich von Guam, etwa 724,2 Kilometer entfernt. Die Region liegt im Mariana Trench Marine National Monument, das 2009 gegründet wurde, und wird oft als „natürliches Labor“ bezeichnet. Grund dafür sind besondere Umweltbedingungen wie CO2-Quellen, die zu einem erhöhten Säuregehalt im Meerwasser führen. Auffällig ist, dass hier eine lebende Mega-Koralle neben einer „Todeszone“ nahe diesen CO2-Quellen existiert.
Wie alt ist die Koralle?
Die Koralle könnte älter als 2.050 Jahre sein, basierend auf einer geschätzten Wachstumsrate von circa 1,0 cm pro Jahr. Die Altersbestimmung ist allerdings schwierig, weil dieser Kolonie klare Wachstumsbänder fehlen. Hannah Barkley erklärt: „Es ist schwierig, das tatsächliche Alter dieser Koralle zu bestimmen, weil sie keine Wachstumsbänder wie andere Korallen bildet.“ Für eine genauere Datierung wären detaillierte Untersuchungen nötig, etwa Bohrkernproben, um das Alter präziser zu ermitteln.
Gefahren und ihre Widerstandsfähigkeit
Globale Ereignisse wie das Bleaching zwischen 2004 und 2017 haben mehr als 75 % der weltweiten Riffe betroffen, wobei 30 % Mortality-Level-Stress erlitten. Trotzdem zeigt die entdeckte Koralle eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit. Gleichwohl verzeichnet das Riff-Ökosystem in der Region insgesamt einen starken Rückgang. Der Schutz durch den Monumentstatus und das Wissen über die speziellen Bedingungen vor Ort könnten Hinweise für künftige Erhaltungsstrategien liefern.
Kultur, Wirtschaft und Naturschutz
Innerhalb des Monterey Bay Marine Protected Area wird die Bedeutung solcher Korallen nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich deutlich. NOAA schätzt, dass die Dienstleistungen der Korallenriffe in den USA jährlich über 3,13 Milliarden Euro wert sind. Korallenriffe können bis zu 97 % der Wellenenergie absorbieren und leisten damit wichtigen Küstenschutz. Außerdem arbeitet ein beratender Rat an einem kulturell angemessenen Namen für die Koralle, um das indigene Chamorro- und Carolinian-Erbe zu ehren (das lokale kulturelle Erbe der Region).
Die Entdeckung dieser kolossalen Koralle wirft viele Fragen auf, liefert aber zugleich wichtige Einblicke in die Umweltverhältnisse der Maug-Kaldera. Sie ist eine auffällige Ausnahme in einem zunehmend gefährdeten Ökosystem und erinnert daran, wie zerbrechlich und wertvoll unsere Riffe sind. Der Fund fordert die Wissenschaft heraus und lädt uns alle ein, über unseren Einfluss auf die Ozeane nachzudenken und aktiv zum Schutz unseres maritimen Erbes beizutragen.