China pflanzte massenhaft Bäume, um die Ausbreitung der Wüste Gobi zu stoppen – doch dabei entstand ein neues großes Problem: Das Wasser verschwand aus Böden und Grundwasser, während sich die Regenmuster veränderten

Chinas grüne Wand: Chancen und Herausforderungen der Aufforstungsprojekte
Chinas grüne Wand: Chancen und Herausforderungen der Aufforstungsprojekte

In den letzten Jahrzehnten hat China große Fortschritte bei der Aufforstung gemacht. Die nationale Waldfläche stieg von etwa 10 % im Jahr 1949 auf ungefähr 25 % heute. Treiber dieser Entwicklung sind ambitionierte Projekte wie der „Three North Shelterbelt“ (auch bekannt als „Great Green Wall of China“). Aber so gefeiert diese Maßnahmen auch wurden; sie brachten auch unerwartete ökologische Probleme mit sich.

Wo in China aufgeforstet wurde

Die Aufforstungsmaßnahmen sind besonders sichtbar im nördlichen China, in den östlichen Monsunregionen, im ausgetrockneten Nordwesten und auf dem Tibet-Plateau. Seit den späten 1970er Jahren wurden über 259.000 km² neu aufgeforstet. Hauptziel war, die Umweltbedingungen zu verbessern und Staubstürme zu reduzieren, vor allem durch das „Three North Shelterbelt“-Projekt, das dabei half, wandernden Sand einzudämmen.

Allerdings wurde oft auf schnell wachsende Arten wie Pappeln gesetzt, die sehr viel Wasser verbrauchen. Solche Monokulturen schaffen neue Probleme und können langfristig zur Austrocknung der Böden führen. Untersuchungen zeigen, dass Pappelgürtel den Bodenwasserspiegel stark beeinflussen können, weshalb das Management dieser Bestände für den Erfolg des Projekts entscheidend ist.

Studie: Was sich am Wasserkreislauf änderte

Eine aktuelle Studie, veröffentlicht in “Earth’s Future”, stammt von Teams der China Agricultural University, der Tianjin University und der Utrecht University. Sie untersuchte Landbedeckungsänderungen in China zwischen 2001 und 2020. Laut Studie führte die Zunahme der Vegetation zu einer höheren Evapotranspiration um etwa 1,7 mm/Jahr und zu mehr Niederschlag um etwa 1,2 mm/Jahr, paradoxerweise verringerte sich dadurch die Wasserverfügbarkeit.

Diese Umverteilung betraf 74 % des Landes. Während es über dem Tibet-Plateau eine Nettozunahme an Süßwasser gab, sanken die verfügbaren Wasserressourcen in den östlichen Monsunregionen und im ariden Nordwesten.

Wie Bäume Wasser verlagern — physikalische Mechanismen und lokale Folgen

Die Studie macht deutlich: tief wurzelnde Bäume nehmen Boden- und Grundwasser auf und geben es in die Atmosphäre ab, quasi „riesige Pumpen“, die Wasser räumlich verlagern können. Das Wasser landet dann oft in Regionen mit wenig Land- und Stadtbewirtschaftung, weit entfernt vom Ursprung.

Für viele Gemeinden, besonders im Nordwesten Chinas, heißt das konkret: Brunnen trocknen in der Trockenzeit öfter aus und Bewässerungspumpen laufen länger, was die Stromkosten steigen lässt. Solche alltäglichen Folgen stehen oft im Kontrast zu dem „grünen“ Bild, das Satellitenaufnahmen vermitteln.

Was andere Projekte daraus lernen können

Die Erfahrungen aus China fließen in internationale Aufforstungsprojekte ein, etwa in die „Great Green Wall for the Sahara and the Sahel“. Die ursprüngliche Idee eines durchgehenden Baumgürtels wurde zu einem Netzwerk aus „Mosaiken von grünen und produktiven Landschaften“ umgedacht, unterstützt von Organisationen wie der FAO und der UNCCD. Dieses Projekt hat das Ziel, 100 Millionen Hektar degradierten Landes bis 2030 wiederherzustellen und 10 Millionen grüne Arbeitsplätze zu schaffen.

Für den Erfolg solcher Vorhaben sind sorgfältige Planungen nötig. Wissenschaftliche Empfehlungen betonen die Wahl von standortangepassten Arten, den Schutz vorhandener Vegetation und die Einbeziehung der lokalen Bevölkerung. So lassen sich Flächen nachhaltig restaurieren und zugleich wirtschaftliche Vorteile schaffen.

Chinas Erfahrung mit Aufforstungsprojekten liefert wichtige Einblicke in die komplexen Wechselwirkungen zwischen Klima, Vegetation und Wasserressourcen. Die Herausforderungen zeigen, dass Aufforstungsstrategien weiter verfeinert und innovative Lösungen entwickelt werden müssen, um die ökologischen und sozialen Folgen bestmöglich zu steuern.